Michael Jackson, Paul McCartney und Joni Mitchell sind die musikalischen Vorbilder des in London lebenden Soul-Sängers Kwabs. Seine eigene Karriere begann jedoch mit klassischem Jazz an der renommierten Royal Academy of Music – bis sich Kwabs dann mit einem James-Blake-Cover auf YouTube einen Plattenvertrag ersang, sich wenig später im Buckingham Palace und schließlich auf Platz Eins der deutschen Single Charts wiederfand.

Zur Veröffentlichung seines Debütalbums Love + War hatten wir das Vergnügen, Kwabs zum Interview zu treffen.

HEY, Kwabs!

Ich habe gelesen, dass Du stets schon vor dem Frühstück singst. Was hast Du denn heute gesungen?

Kwabs: Oh, ich weiß nicht. Ich singe tatsächlich sehr wahllos – was auch immer mir  gerade durch den Kopf geht.

Hast Du denn mal einen Song eingespielt, der auf einer Melodie basiert, die Dir morgens spontan eingefallen ist?

Kwabs: Ja, vielleicht einmal. Aber das ist wirklich schon lange her. Normalerweise habe ich die besten Songideen eher nachts.

Kurz bevor Du ins Bett gehst?

Kwabs: Ja, oder wenn ich bereits im Bett liege. Am Ende eines langen Tages, über den es aber auf den ersten Blick nicht viel zu sagen gibt. Und dann ist da doch dieses kleine Detail, das Du weiterspinnst und das funktioniert dann plötzlich als Basis für einen guten Song.

Was ich mache ist im Grunde schon Popmusik. Aber nicht unbedingt in dem Sinne, wie Leute gemeinhin Popmusik definieren. Es ist schon etwas mehr edgy, da der Sound so viele verschiedene Einflüsse hat.

Du hast die Chance bekommen im Buckingham Palace zu spielen. Wie war das für Dich?

Kwabs: Das war irgendwie merkwürdig. Ich habe erwartet, dass es eine epische, aufregende Erfahrung wird. Aber als ich dann da war, war es  vielmehr wie ein regulärer Gig. Ich meine, du performst einfach und gibst eben dein Bestes, denn nichts anderes zählt letztlich in diesem Moment – so wie bei jedem Auftritt. Es war natürlich ein sehr ehrfurchtsvoller Ort, aber als ich anfing zu singen, war es als gäbe es nichts mehr um mich herum – nur noch mich und die Musik. Aber klar, es war ein wichtiger Punkt auf meiner Liste von Dingen, die ich wirklich gerne einmal tun würde. Es hat in jedem Fall großen Spaß gemacht!

Du wirst ja mit vielen unterschiedlichen Styles und Genres in Verbindung gebracht. Wo genau würdest Du Dich denn selbst einordnen?

Kwabs: Naja, was ich mache ist im Grunde schon Popmusik. Aber nicht unbedingt in dem Sinne, wie Leute gemeinhin Popmusik definieren. Es ist schon etwas mehr edgy, da der Sound so viele verschiedene Einflüsse hat. Dadurch bewegt sich meine Musik eher außerhalb des Mainstream und genauso mag ich es auch.

In Deutschland bist Du ja schon so etwas wie ein Shootingstar. Inwiefern beeinflusst das Deine Arbeit?

Kwabs: Überhaupt nicht. Und das sollte es auch nicht. Ich hab den Song Walk gemacht und mir gedacht, das könnte in kommerzieller Hinsicht sowohl ein Flop werden, als auch voll durch die Decke gehen. Alles war offen und möglich aus meiner Sicht. Die kommerzielle Wirkung war für mich aber auch nicht entscheidend. Solange ich den Song mag und wirklich dahinter stehe reicht mir das. Aber natürlich bestärkt mich der Erfolg des Songs darin, auf diese Weise weiter zu arbeiten. Denn das zeigt auch, dass es sich lohnt, für Dinge zu brennen und seinen weg zu gehen. Der Erfolg kommt dann von alleine, wenn man dann noch etwas Glück hat.

> Hier könnt Ihr Euch den Kwabs-Hit Walk anhören!

Als ich gefragt wurde, dieses Interview mit Dir zu führen, wusste ich ehrlich gesagt nicht einmal, wer Du bist. Dann habe ich Deine Musik gehört und gedacht „Ja, der hat’s echt drauf!“. Und dann ist etwas Lustiges passiert: Als meine 12-jährige Tochter mich fragte, was ich heute mache, und ich ihr von diesem Interview erzählte, wusste sie sofort, wer Du bist, weil sie in ihrer Tanzschule gerade eine Choreo zu Deinem Song proben.

Kwabs: Wow, das ist cool! Ja, sowas ist auch für mich komisch. Ich habe nie erwartet, dass mich plötzlich soviele Leute kennen. Aber ehrlich gesagt wusste ich auch gar nicht, was ich erwarten sollte. Irgendwie ist man auf sowas doch nie vorbereitet. Das ist ja gerade mal mein erstes Album und das verändert dann so plötzlich einiges, was mich natürlich sehr freut.

Was mich wirklich noch interessiert, ist, welcher Künstler Dich am meisten beeinflusst hat?

Kwabs: Oh, da gibt es eine Menge Künstler! Auf jeden Fall natürlich Michael Jackson. Er hat mit seiner Musik nunmal wirklich die Welt verändert. Dann ist er gestorben und wird seitdem von allen vermisst, denn niemand hat Musik so gemacht wie er. Aus Songwriter-Sicht würde ich aber sagen, dass mich vor allem Künstler wie Paul McCartney oder Joni Mitchell beeinflusst haben. Die schreiben wirklich einzigartige Songs und das mit viel Authentizität und Herzblut. Konkret einen Lieblings-Sänger kann ich jetzt wiederum nicht benennen, weil gute Songs für mich immer eine perfekte Kombination aus dem jeweiligen Song und der passenden Stimme des Künstlers sind.

Was ist denn Dein Lieblingsalbum von Paul McCartney?

Kwabs: Ich habe eigentlich kein Lieblingsalbum. Er hat mich zwar beeinflusst, aber ich bin noch nicht wirklich in seiner Welt heimisch. Das hebe ich mir vielleicht für später auf.

Das kann ich total verstehen. Ich habe auch gerade erst damit angefangen, mich mit Paul McCartney näher auseinanderzusetzen und erstmal begonnen, alle seine Soloalben zu hören. Denn ich hatte bisher ebenfalls noch keinen Zugang zu Paul McCartney – nicht mal zu den Beatles. Aber ich liebe das Album Chaos And Creation In The Backyard

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Ok, was können die Leute denn von Deinem ersten Album erwarten?

Kwabs: Eine emotionale Reise im weitesten Sinne. Es gibt Ups und Downs und viele Twists. Ich möchte, dass meine Zuhörer von dem Album berührt sind, dass sie wirklich etwas davon mitnehmen. Denn das ist tiefgründiger und langlebiger als einfach nur eine gute Zeit zu haben. Ich wünsche mir, dass sich das Album nicht nur an der Oberfläche bewegt, sondern die Leute anregt, über sich selbst nachzudenken, oder über das, was sie bewegt, oder von dem sie sich heilen möchten. Ich habe mein Ziel erreicht, wenn meine Musik es schafft, die Zuhörer ein wenig glücklich zu machen.

Danke!

> Hier findet ihre alle bisherigen HEY-Interviews

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