Ganze 2 Jahre ist es jetzt schon her, seit uns Rhye mit ihrem Debütalbum Woman begeistert haben. Einfache Zutaten: Die unglaubliche, zarte Stimme von Sänger Mike Milosh, zusammen mit einer dezenten Instrumentierung zwischen Soul und Pop; mit Piano und Streichern. Und Musikvideos in denen einem die Intimität fast schon entgegen springt. Das einzige, was fehlte: Die Band selbst. Denn Mike Milosh und Robin Hannibal wussten jede Öffentlichkeit außerhalb der eigenen Konzerte zu vermeiden.

Bevor Rhye schon sehr bald auf Tour gehen, haben wir mit Sänger Mike telefoniert. Heraus kam ein Gespräch über Erwartungen, eine Band, die eben einfach so passiert ist, und darüber, weshalb man auf Rhye-Konzerten besser sehr ruhig sein sollte.

HEY, Mike!

Als ich Rhye zum ersten mal wahrgenommen habe, wart ihr sowas wie ein Mysterium: Kaum Infos, keine Bilder. Wie war das eigentlich für euch als Band – sowas wie ein Spiel?

Mike: Ein Spiel war das nicht. Aber ich wollte nicht diese dominante Visuelle sein, auf die sich alles bezieht. Wenn man auf einem Major Label released, dann gibt es so verdammt viel PR abzuarbeiten – alleine schon dutzende Magazine. Das fühlte sich irgendwie nicht nach dem an, was ich mit dem Album wollte. Also habe ich zum Rhye-Release beschlossen: Ich möchte keine Fotos rausgeben.

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Das hatte auch nichts mit Verstecken spielen zu tun, sonder ich habe vielmehr gehofft, dass sich die Leute mehr auf die Musik fokussieren. Andererseits: Mein Name erscheint überall im Zusammenhang mit dem Album – oder meinen Solo-Alben. Die Leute können also schon viel über mich erfahren – es war eben einfach nur nicht Teil der PR-Kampagne.

Und was schießt dir so beim Wort „Erwartung“ in den Kopf?

Mike: (Lacht kurz). Also in Zusammenhang mit meiner Musik denke ich gar nicht an sowas wie „Erwartung“. Das ist nämlich nicht die Art, wie ich Musik betrachte. Da mache ich einfach, was ich möchte – und dann veröffentliche ich vielleicht etwas. Aber ich denke dabei nicht daran, was die ganzen Leute darüber denken. Was aber lustig ist: Wenn ich an das Wort „Erwartung“ denke, dann erinnere ich mich daran, wie ich meine Frau das erste Mal traf – da hat sie mir von ihrer Einstellung erzählt, dass man niemals irgendwelche Erwartungen haben sollte. (Lacht wieder). Daran muss ich zuerst denken!

Also beeinflusst es die Arbeit am neuen Album gar nicht, dass ihr jetzt von Anfang an als Band bekannt seid?

Mike: Mich beeinflusst beim Musik machen eigentlich gar nichts. Ich mache Alben, weil ich Musik liebe. Ich mache mir beim Schreiben der Songs keinen Kopf darüber, was andere denken. Ich frage mich eher: Gefällt mir, was ich da gerade mache? Habe ich Spaß? Fühlt sich das gut an? Das Album, an dem ich gerade arbeite, ist zum Beispiel eine sehr emotionale Sache. Da kümmere ich mich mehr darum, ob ich da authentisch bin.

Also in Zusammenhang mit meiner Musik denke ich gar nicht an sowas wie „Erwartung“. Das ist nämlich nicht die Art, wie ich Musik betrachte.

Aber Inspiration holst du dir für deine Musik doch sicher schon. Woher zum Beispiel?

Mike: Hauptsächlich aus meinem Leben. Ich mache Erfahrungen, mit Menschen die ich liebe zum Beispiel. Verschiedene Dinge passieren. Und das alles motiviert mich, Texte zu schreiben. Ich kann nicht über irgendeinen Mist schreiben, über nichts. Ich schreibe Lieder über Dinge, die ich fühle – egal ob über Freude, Traurigkeit oder was auch immer da ist.

Du erzählst also immer einen Teil deiner persönlichen Story in deinen Texten?

Mike: Ich verallgemeinere das natürlich, aber ja. Wenn es anders wäre, könnte ich auch nicht Musik machen – weil ich Dinge immer wieder singen, oder ständig Konzerte spielen und auf Tour gehen muss. Da muss es einfach eine Verbindung zu mir selbst geben. Ich sehe das übrigens auch bei Cover-Songs so, oder auch bei Anfragen anderer Leute, die meine Stimme für ihre Songs haben wollten. Ich bin da einfach sehr vorsichtig. Wenn es da nicht um etwas geht, was ich persönlich auch so fühle – dann mache ich das nicht!

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Trotzdem sagst du, dass ja die Musik im Vordergrund stehen soll. Wo siehst du dich denn selbst in diesem Band-Konstrukt?

Mike: Also in erster Linie finde ich es super, nicht so oft erkannt zu werden. Ich gehe vor einer Show nämlich gerne ins Publikum und versuche ein Gefühl für die Leute zu bekommen. In LA sieht das ein bisschen anders aus. Hier werde ich schon ab und an mal erkannt, weil ich schon einige Shows in der Gegend gespielt habe. Ich will mich gar nicht groß verstecken, weil die Leute auch immer super höflich und nett zu mir sind. Kann sein, dass das daran liegt, dass ich sehr softe Musik mache. (Lacht). Da kommen einfach keine Rowdies…

Ich muss jetzt aber doch noch mal nach dem nächsten Rhye-Album fragen. Weil gefühlt mein halber Freundeskreis – und ich selbst auch – ziemlich scharf darauf sind. Lässt dich so eine Erwartungshaltung wirklich völlig kalt?

Mike: Ja, ziemlich! Das einzige was mich interessiert, sind meine Songs und das was ich tue. Ich weiß noch nicht mal, ob es überhaupt ein neues Rhye-Album geben wird. Ich weiß nicht, welchen Namen ich den Songs, an denen ich gerade arbeite, geben werde. Ich meine: der Name Rhye – was bedeutet der schon? Das ist nur ein Konzept. Ich mag es nicht an Dinge wie ein neues Rhye-Album zu denken. Ich mache Musik, mache einzelne Songs, die dann vielleicht ähnlich klingen. Und dann lasse ich meinen Manager überlegen, was wir damit machen. (Lacht).

Das einzige was mich interessiert, sind meine Songs und das was ich tue. Ich weiß noch nicht mal, ob es überhaupt ein neues Rhye-Album geben wird.

Du würdest Rhye also auch nicht als Band bezeichnen, sondern als etwas, „das eben passiert ist“?

Mike: Vielleicht. Ich weiß nicht, was es ist. Es ist wahrscheinlich wirklich so etwas, ja! Ich meine: Ich habe eine Band zusammengestellt, um meine Songs live zu performen. Wir haben uns dann etwas ausgedacht, dass die Auftritte deutlich von den Aufnahmen unterscheidet, denn alles andere wäre ja auch langweilig. Das heißt dann auch, dass wir bei jeder Show etwas erfahren; etwas lernen. Man nimmt einen Song und schaut, was man in der jeweiligen Umgebung daraus machen kann. Und das führt eben zu verschiedenen Dingen. Ich glaube genau das ist das Aufregendste für mich.

Was können wir also bei euren kommenden Shows in Deutschland erwarten?

Mike: Ich denke jede Nacht wird ein bisschen anders sein. Aber was ihr von der Performance erwarten könnt ist, dass es definitiv eher emotional als laut oder arty sein wird. Wir versuchen uns da wirklich ganz der Emotion der Songs hinzugeben und keine große Show daraus zu machen. Es geht eben um diese gewissen Momente und ich hoffe, dass das Publikum Lust darauf hat. Wir haben über 200 Shows gespielt und ich habe bei jeder einzelnen Show versucht, etwas spezielles zu kreieren. Deswegen gehe ich eben auch gerne vor der Show durchs Publikum – für ein leises Publikum spielen wir zum Beispiel eine ganz andere Show, als für ein lautes. Man muss da auch ein bisschen mit den Leuten spielen… Aber um ehrlich zu sein, mag ich das leise Publikum am liebsten. Dann können wir die Dynamik der Songs am besten entdecken.

Danke!

> Hier findet ihre alle bisherigen HEY-Interviews

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