Bei vielen Bands steht der Name schon fest, da hat man noch kein einziges Mal geprobt. Bekanntes Beispiel dafür sind die Eagles Of Death Metal. Andere jedoch lassen sich Zeit, denn bei den abertausenden von Musikgruppen da draußen braucht man einen Namen, der einprägsam ist und gut klingt. Dann gibt es noch das Problem, dass man einen bevorstehenden Auftritt hat und immer noch keinen Bandnamen gefunden hat. So war das auch bei Rhôme. Was also tun? Man spielt das Konzert einfach so. Namenlos. Und das nicht in irgendeiner Scheune oder auf dem nächstgelegenen Dorffest, sondern in der Trust Bar in Berlin, die zuvor vom Guardian als eine der besten Clubs in Berlin ausgezeichnet wurde. Das dann noch ein gewisser David Beckham im Publikum steht und nach dem Konzert seine Komplimente ausrichten lässt, hätte man sich nicht ausdenken können. „Super Band! Wie hieß die noch mal?“ Äh ja…

Mit so einem famosen Start kann man als Band nicht unbedingt rechnen und es hörte nicht auf gut zu laufen. Der Name wurde mittlerweile gefunden und trotz keinem einzigen Song online spielten Rhôme weitere Konzerte im Rahmen der Fashion Week Berlin und in Städten, wie Hannover oder Frankfurt am Main. Ihr letzter Auftritt fand dann auf der Mainstage vom Helene Beach Festival statt. Es hätte ja glatt so weitergehen können, denn anscheinend überzeugten die Jungs live so sehr, dass man keine Hörproben brauch und die gute, alte Mund-zu-Mund-Propaganda funktionierte mal wieder, wie am berühmten Schnürchen.

Das kam aber natürlich nicht in Frage und so setzten sich die Herren ins eigene Studio und begannen ihre erste EP aufzunehmen. Die erste Kostprobe ihrer Arbeit kann man sich jetzt anhören, denn HEY präsentiert den ersten Song und das dazugehörige Video von Rhôme. Und Paradise hat es in sich. Das Erste, was einem auffällt ist die musikalische Nähe zu den 80er Jahren. Die Synthflächen tragen die melancholische Stimmung des Liedes, wie es im Jahrzehnt des Zauberwürfels üblich war. Pop trifft auf Herzschmerz, der nie zu weinerlich wird. Dazu ein Gesang, der an Black (Wonderful Life) oder an Dave Gahan erinnert. Kantige Artikulationen fließen in Chöre über und hinter allem ein Beat, der dem Pathos innehält.

Trotz aller Retro-Einflüsse haben Rhôme die aktuelle Musiklandschaft nicht vergessen. So könnten die Synthies auch auf Alben von Poolside, Washed Out oder Animal Collective funktionieren, während die Gitarre sich an Acts, wie Foals, Beat Beat Beat oder The Maccabees orientiert. Was die genannten Bands mit Rhôme gemeinsam haben? Das musikalisch breit gedacht wird und ihre Songs groß und klein funktionieren können.

Im Frühjahr 2015 soll ihre erste EP erscheinen. Vielleicht wird es David Beckham nicht mitbekommen, aber hey egal. Nächstes Jahr werden wir noch einiges von Rhôme hören.

Unten gibt es das Video zu Paradise. Die Szenen sind vom italienischen Filmklassiker Zabriskie Point entnommen.


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