Zum Ende des Jahres habe ich mir noch einmal etwas gegönnt. Und zwar einen Ghostwriter. Dieser erklärt euch meine liebsten Alben besser als ich es je könnte. Die Top 5 Songs kommen passenderweise immer von dem jeweiligen Album. Top Gönn kann man da nur sagen!
 

SONGS & ALBEN

 

1. Gala Drop: „Slow House“ / Album: „II“

Die portugiesischen Psych-Krauter mit Folk-Einflüssen (teilweise Fado, manchmal brasilianisch) von Gala Drop sind bisher nur wenigen bekannt. Vor drei Jahren, als sie im King Georg spielten, war das Konzert, die fast ansatzfreien Übergänge von Lied zu Lied (oder Track zu Track) und die immer sehr zurückhaltende Gitarre, die Quintessenz von „travelling without moving“. Auf dem neuen Langspieler II ist das alles noch ausbordernder formuliert und kulminiert in „SLOW HOUSE“. Flächiger Riff- und Akkordwahnsinn, Phil-Collins-Halleffekt-Gesang – alles perfekt!


 

2. Mac Demarco: „Chamber Of Reflection“ / Album „Salad Days“

Salad Days – Salat Tage, Tage am Ende der jugendlichen Unbekümmertheit. Jetzt beginnt der Ernst des Lebens, Spaßlevel low, Arbeitslevel high.  Unvorstellbarer Scheiß in Zeiten in denen die 40jährigen die 25jährigen von gestern sein sollen. Man lebt doch in einer Welt wo sich die beiden Leben sich jederzeit verschränken. Den Soundtrack für die Bierbong-Bänker, die klinkenputzenden Pillenkauer, die kiffenden Karrieristen bietet Mac Demarco. Also rein in die „Chamber of Reflection“.


 

3. Von Spar: „Try Though We Might“ / Album: „Streetlife“

Von Spar. Yachtrock für Leute, die Rock nicht (mehr) ausstehen können. Yacht-House also? Man wähnt sich jedenfalls eher auf dem Weg zu- oder von einer Party weg, als in einem Konzertsaal, 30 Meter von der nächsten Möglichkeit entfernt Bier rein, oder wieder raus zu lassen. Und doch ist das hier alles basierend auf Band, dem dazugehörigen Jam. So klingt dann „Try Though We Might“ auch. Wie der Morgen danach, oder dem Morgen davor, nicht alleine räsonierend, sondern unter Gleichen.


 

4. Dean Blunt – „50 Cent (feat. Joanne Robertson)“ / Album: „Black Metal“

Dean Blunt schon wieder mag so mancher hier meckern. Aber WIE DENN NICHT? Die Alben sind Mixtapes, die alle so klingen, als hätte der beste Freund sie für einen aufgenommen. Sie verstehen einen. Sie verstehen wo man herkommt, auch musikalisch: Neill Young oder Nick Cave, ein wenig HipHop, elektronische Musik, Soundtracks aus Filmen, auch Soul. BLACK Metal halt. Wenn bei „50 Cent“ zuerst Joanna Robertson anfängt zu singen, dann scheint man schon in der eigenen Vergangenheit zu versinken – und kurze Zeit danch setzt der Bass ein und man weiß, dass man kurz vorher nicht so viel wusste, nun aber umso mehr. Das man jetzt DA ist und alles vorher nur Lapalie.


 

5. Andy Stott: „Violence“ / Album: „Faith In Stangers“

Ich stehe auf einer Technoparty vor den überfüllten Toiletten oder draußen und rauch eine – das ist Andy Stott. Die tiefen Basswalzen lassen Gläser klirren, Hohlräume vibrieren, der Rest kommt nur als Hall bei mir an. Die Party als Dschungel aus Klängen, teilweise nicht mehr auseinanderhalten können, woher die Stimmen kommen, die man hört. Rede ich eigentlich gerade mit jemandem? Wahrscheinlich! Das ist aber gar nicht so wichtig. Im Moment tanzen nicht alle, jedenfalls nicht sichtbar, aber innen drin dann doch. Die ganze Zeit weiter. Und dann „Violence“ – ein Akt der Gewalt ist dieser Dubstepbass an der lieblichen Stimme davor. Und ich habe keine Ahnung wie lange das alles gerade gedauert hat, aber ich bin wieder auf der Tanzfläche am Schwitzen, und das ist auch gut so!


 

Diese Songs und Alben fand ich übrigens 2013 gut.