Ist denn dieser „ungeplante Prozess“ auch ein Grund dafür, dass ihr nach 2 Jahren Bestehen erst einen richtigen Track veröffentlicht habt?

Johannes: Wir sind eben nicht diese krassen Karrieristen-Musiker, die sich zwanzig mal pro Woche treffen, Pläne machen und Zuständigkeiten absprechen. Wir sind da eben sehr gechillt – und dann dauert das eben alles etwas. Wir haben noch Songs in der Pipeline, die finden wir ultrageil – aber manchmal dauert es eben. Wir haben auch noch mehr Sachen, die fast richtig gut sind, aber eben erst bei 99,8% stehen. Und dann reicht es uns eben noch nicht.

Dafür seid ihr aber schon durch Indien getourt – wie kam das zustande?

Keshav: Das ging von mir aus, weil ich über das Goethe-Institut einen Arbeitsaufenthalt beantragt hatte, um dort meine Solo-Platte aufzunehmen. Das hat dann auch alles so geklappt und in dem Zuge hat mich das Institut gefragt, ob ich nicht Lust hätte, mit der Band dort zu spielen. Über das Institut haben wir dann 2 Konzerte bekommen und selbst noch eins organisiert. Für mich war das natürlich super geil die Jungs mitzunehmen, weil ich dort aufgewachsen bin. Krasse Erfahrung!

Hattest du denn schon vorher in Indien gespielt?

Keshav: Nein, gespielt noch nie, also zumindest nicht offiziell. Ich hab schon mal mit meinem Vater in kleinen Clubs gejamt, aber noch nie ein richtiges Konzert gespielt. Das das jetzt mal geklappt hat, ist schon sehr cool!

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Und welche Eindrücke habt ihr mitgenommen?

Johannes: Wir waren 2 Wochen da, also relativ kurz. Ich kann jetzt nicht behaupten, dass ich das Land in der Zeit richtig gecheckt habe. Das ist alles eher überfordernd, was einem da begegnet – obwohl ich sogar vorher schon mal dort war.

Inwiefern?

Johannes: Es ist halt alles anders dort. Es gelten völlig andere Regeln, bzw. manchmal sogar auch keine. Es herrscht teilweise krasse Armut – und zum Beispiel in den Städten, der Straßenverkehr, der ist völlig den Teilnehmern überlassen. Ansonsten ist dort auch nichts richtig intakt, abgesehen von Prunk- und Luxusbauten, die fast militärisch bewacht werden – und der Rest ist eben ziemlich runtergekommen. Und trotzdem ist aber alles bunt und einladend. Aber man sieht auf er anderen Seite am Straßenrand auch viele Kranke und Obdachlose liegen. Und diese Melange aus Eindrücken sorgt eben dafür, dass man eher so eine Art Gedächtnismatsche mit nach Hause nimmt. Und nicht so besonders klar greifen kann, wie Indien wirklich ist… Eindrücke, Eindrücke, Eindrücke. Sehr diffus!

Und wie muss man sich ein Konzert in Indien vorstellen?

Keshav: Schon anders. Beim ersten Konzert waren wir auch ein bisschen geschockt, weil wir nicht darauf vorbereitet waren. Der Applaus ist zum Beispiel sehr laut, hört dann aber schlagartig auf. Wir dachten dann erst, dass es den Leuten nicht gefällt. Auch dieses Zugabe-Ding – das ist in Indien nicht üblich, dass die Zuschauer sowas fordern. Da mussten wir uns eben einfach eingrooven und ab dem zweiten Konzert lief schon alles besser. Man muss auch ganz viel erzählen zu den Stücken, das interessiert die Zuschauer total: Worum geht es im nächsten Song? Wie ist die Harmoniefolgen? Das haben wir später richtig durchgezogen und dann war auch die Aufmerksamkeit viel größer.

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Johannes: Beim dritten Konzert sind wir schon einen Tag früher angereist und haben uns einen Gig von einer ehemals sehr erfolgreichen Sängerin angeguckt. Da haben wir uns dann angesehen, wie das in Indien gemacht wird. Die hat das komplett durcherzählt: „Der Song fängt balladig an, danach kommt ein intensiver Beat-Teil und dann wird es noch mal tropical…“ Und wir dachten uns: gut, so macht man das hier also – und haben das dann auch gemacht. Und dann ging es total ab!

Ich will mir nicht vorstellen, was passiert wenn man das nicht macht…

Keshav: Man bekommt eben kaum Feedback…

Johannes: Wobei natürlich erschwerend dazu kam: das war eine randvolle Halle, voll mit 12-jährigen Mädchen…

Keshav: Ja, das war der German-Student-Day, also extrem konstruiert. Die hatten den ganzen Tag Programm und waren alle müde. Aber ansonsten war die Tour richtig gut!

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