MIAMI hören ist wie eine angenehme spätsommerliche Zeitreise, so um die 30 Jahre zurück. Das ist kein Zufall, wie Keshav Purushotham (Sänger von Timid Tiger) und Johannes Stankowski (Solo-Künstler) Flo beim Kaffee erzählt haben. Zusammen mit Bene Filleböck, Dan Enderer und Christopher Martin haben sie sich vor vor knapp 2 Jahren zu MIAMI zusammengeschlossen, zum Record Store Day haben sie letzten Monat ihre erste Platte veröffentlicht – eine 12″ zu Over Green Hills. Und so klingen sie:

Weshalb MIAMI keine Supergroup ist, was indisches Konzertpublikum so alles erwartet und was das restliche 2014 so bringt – lest es jetzt und hier:

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Was könnt ihr eigentlich mit dem Begriff „Supergroup“ angangen?

(Beide schmunzeln)

Johannes: Also ich finde den Begriff super, fühle mich aber nicht angesprochen…

Keshav: Nee, ich mich auch nicht.

Ich mein: wenn man ganz streng ist, könnte man euch ja schon so bezeichnen. Ihr habt ja schließlich alle noch weitere Projekte am Start. Was hat euch denn trotzdem den Antrieb gegeben, zu noch einem Projekt zusammenzufinden?

Keshav: Klar, wir haben alle schon in anderen Bands zusammen gespielt. Zwar nicht in der Kombi, aber immer mal wieder „der eine hier und der andere da“ – wir kennen uns ja auch schon sehr lange. Was für mich diesmal aber ganz neu ist: ich bin nicht mehr der einzige Sänger, weil Johannes mit dabei ist. Und deshalb können wir uns beim Leadgesang abwechseln. Das war für mich schon ein großer Reiz.

Johannes: Ja, das musste einfach sein! Ich habe Keshav immer auf Konzerte von mir eingeladen, um mal als „Special Guest“ mitzuspielen – und umkehrt, wenn es gepasst hat. Wir waren eigentlich ein fester Zirkel, die Konstellation war schon da. Man musste nur noch eine Haube drübersetzen und sagen: „Jetzt sind wir MIAMI“.

Gab es denn genau diesen Punkt?

Johannes: Wir waren in Gottes Grüner Wiese (Red.: einer Kölner Bar) und Bene meinte: „Eigentlich müssten wir mal ne Band gründen“. Auch weil Dan und er im Endeffekt immer die gewesen sind, die mal bei mir und mal bei Keshav mitgespielt haben. Wenn man da mal drüber nachdenkt, ist das ja auch total ineffizient.

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Und was war der gemeinsame Nenner, den ihr zum Start von MIAMI hattet – also vor allem in Bezug auf die Musikrichtung?

Keshav: So einen richtigen Plan hatten wir eigentlich nicht. Wir wollten einfach zusammen eine Band gründen und haben angefangen uns zusammenzusetzen. Und dann ist irgendwie dieser MIAMI-Sound entstanden. Wir haben uns relativ schnell auf 12-saitige Gitarre und Juno (Red.: Synthesizer von Roland aus den 80ern) als großen Teil vom Sound einigen können – das hat uns alle geflashed. Und auf dieser Basis haben wir weitergearbeitet.

Ich hab zum Beispiel auch von Einflüssen wie Pink Floyd gelesen…

Keshav: Wir hatten nicht den Plan wie irgendwer zu klingen, sondern einfach losgelegt.

Johannes: Ursprünglich hatten wir aber schon den Wunsch was „oldschooles“ zu machen, weil wir das in unseren anderen Bands nicht hatten. Wir flashen halt auch einfach auf diese Roland-Synthesizer und auf die 12-saitige Master-Gitarre, und auf Ukulelen, Omnichord und sowas. Und es gibt eben bestimmte Bands, die Teile davon auch praktiziert haben, z.B. Midlake – gerade was mehrstimmigen Gesang angeht. Bei uns ist das aber eher wie ein diffuses Bild, das man verwirklichen will, weil man es immer im Kopf hatte. Und wenn das dann alles auch noch super zusammenpasst, ist halt schön! Und man hat seinen eigenen Sound.

„Wir sind keine krassen Karrieristen-Musiker“ – hier geht es weiter zu Teil 2 des Interviews:

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