Weiter geht’s. Frau Joos präsentiert ihre liebsten Songs und Alben aus 2013. Im Rückblick auf die letzten Jahre bleibt 2013 aber doch eher schwach. Einige Hypes habe ich vielleicht auch einfach ignoriert. Verzeihung dafür. Erinnert ihr euch noch an 1999? Ja? Das war ein Jahr! Das soll die Kandidaten dieser Rangliste aber keineswegs abwerten. Wer Spotify hat, darf meine Lieblingslieder 2013 abonnieren. Wie bei Benni gilt auch hier die goldene Regel: In den jeweiligen TOP 5 taucht jeder Künstler nur 1x auf.

 

SONGS

1. NinaMarie – Das Hochzeitsgeschenk

Song Nummer eins auf der Feuer In der Nachbarschaft EP von NinaMarie ist auch meine Nummer eins in diesem Jahr. Hinter NinaMarie verstecken sich Marten Ebsen (Turbostaat) und Thomas Götz (Beatsteaks). Ja, ein Seitenprojekt zweier Freunde, die eigentlich gar nicht soviel Zeit haben, da sie in ihren Hausbands schon gut zu tun haben. Deswegen hat es auch so lange gedauert bis Onkel Jürgen Rookie Records die sechs Songs auf die bunten Schallplatten pressen konnte. Das Hochzeitsgeschenk überzeugte von Beginn an und will seit März nicht mehr raus aus meinem Kopf. Sei es der zweistimmige Wechselgesang oder die wunderbare Songstruktur. Absolutes Lieblingslied 2013. Ich kann mich nicht wehren. Ich bin so Fan.

Gib auf, gib auf 

 

2. Prezident – Antimärchen 

Prezident / Whiskey-Rap. Nach einigen EPs, die es fast alle zum kostenlosen Download auf seiner Homepage gibt, brachte er dieses Jahr seine erste LP Kunst Ist Eine Besitzergreifende Geliebte unters Volk. Prezident ist leicht vom deutschen 0815-Rap zu unterscheiden. Was es hier zu hören gibt, kommt von einem belesenen und gesellschaftskritischen Menschen, der tief in seiner rabenschwarzen Gedankenwelt gefangen ist. Kein Rap-Album für Nebenher. Harter Tobak aus Wuppertal. Im Song Antimärchen wacht er nach einer durchzechten Nacht in der Luisenstraße auf. Für mich hat es etwas nostalgisches. Obwohl ich von dort aus immer den Weg nach Hause gefunden habe. Absolutes Rap-Highlight 2013 für mich.

 

3. The Dope – Blizzard The Kid

The Dope haben zwar keine Ahnung, wenn es um Fußball geht. Jedoch ist das in dieser Liste ausnahmsweise egal. Der ständig die Geschwindigkeit wechselnde Indie-Noise-Pop der gebürtigen Bayern verzückt mich schon seit einigen Jahren. Jeder Mensch mit Superchunk- und Sebadoh-Sozialisierung muss diese Band lieben. Dieses Jahr dann die Krönung mit dem neuen Album Hinterlandia (Devil Duck Records). Blizzard The Kid nominiere ich als meinen Favoriten.

 

4. Cloud Control – Scar

It’s just so hard
Even if I try
I will not lie
I want a scar
Look at you so fly
Make me high

 

5. Love A – Windmühlen

Du wünschst Dir Facetime mit Kathrin – ich wünsche mir meine Faust in Dein Gesicht.

Perfekter Text, perfekter Song, riesen Album (Irgendwie | Rookie Records). Die Begriffe Sarkasmus und Zynismus gehen Hand in Hand mit Schwitzebärchen-Sänger Jörkk Mechenbier. Ich hab zwar keine Ahnung wofür dein Herz schlägt, aber meins schlägt für Love A. Bevor ich weiter schlecht zitiere, überlasse ich das lieber Leuten, die es besser können – voilà:



ALBUM


1. Turbostaat – Stadt der Angst

So sehr wie Turbostaat mich seit über 10 Jahren begeistern, ist kaum zu beschreiben. Ich habe eigentlich schon vor langer Zeit dieses Fan-Girl-Getue abgelegt, also dachte ich. Aber bei Turbostaat ist das alles anders. Hier passt wirklich alles: Die Musik, das Vinyl-Nerd-Label (Clouds Hill), das Umfeld, die Fans, der liebenswürdige Sisters Of Merchi-Ticket-Tourmanager-Bart-Onkel… Normalerweise finde ja ich immer was, was mich irgendwann nervt. Oder die Band zieht nach Berlin und wird komisch. Aber hier bin ich total Fan.

 

2. Blood Orange – Cupid Deluxe

Devonté Hynes alias Blood Orange ist ein cooler Typ. Für viele ist er ja eh ein alter Bekannter, denn wer erinnert sich nicht an die großartigen Test Icicles und/oder sein Soloprojekt Lightspeed Champion? Für sein neues Album lud, der inzwischen zum Schlafzimmer R’n’B Boy mutierte Wahl-New Yorker, diese illustren Gäste ein: Caroline Polacheck (Chairlift), Dave Longstreth (Dirty Projectors), Adam Bainbridge (Kindness), Samantha Urbani (Friends), Skepta, Clams Casino und Despot. Genug Namedropping, aber eben durch diese Gastbeiträge ist das Album so unglaublich facettenreich geworden. Auf Cupid Deluxe (Domino Records) ist alles dabei: R’n’B, Rap, 80ies Synths, Saxophon -und zwar absolut kitsch-frei.

 

3. The Front Buttoms – Talon Of The Hawk

Twin Size Mattress steht hier als Platzhalter für ALLE Songs dieser unfassbar guten Platte. Wenn es ein Album schafft, mich komplett aus dem Kontext zu reißen und sogar in der U-Bahn ein Lächeln auf die Lippen zaubern kann, dann Talon Of The Hawk (Bar None Records). Das Konzert im MTC hatte übrigens einen ähnlichen Effekt. Nur da waren erschreckend wenig Leute.

 

4. Superchunk – I Hate Music

I Hate Music. Musik ist echt an allem Schuld. Zumindest bei mir. Den perfekten Soundtrack liefert dazu eine Alltime-Lieblingsband von der ich nie gedacht hatte, dass sie mal eines Tages wieder gemeinsam musizieren. Nun kam noch dazu, dass ich sie letzte Woche live in London sehen durfte. Ich bin noch so Superchunk-high, ich kann nicht anders als dieses Album auf ein Plätzchen in dieser TOP5 zu setzen. (Merge Records)

 

5. Jon Hopkins – Immunity

Ich habe dieses Jahr auch viel elektronische Musik gehört. Viele gute Sachen dabei u.a. Moderat, Mount Kimbie, Aufgang (!), Oneohtrix Point Never, DJ Koze, Bonobo, Shigeto – aber am Ende hat Jon Hopkins die Nase vorn. Schafft mit Immunity (Domino Records) eine Brücke zwischen klassischer Komposition, Techno und Ambient. Ende der Durchsage. Freut euch nun auf die kommenden neun Best Of Postings der HEY-Kollegen. Bin selbst gespannt, was es da noch zu entdecken gibt.

Frohe Festtage y’all.