Diese Liste ist mir sehr schwer gefallen. Paradoxerweise hatte ich einen sehr großen Haufen potenzieller Songs des Jahres, aber nur sehr, sehr wenige Alben, die ich im fast abgelaufenen Jahr 2013 wirklich so oft gehört habe, dass ich sie guten Gewissens auflisten hätte können. Wie auch immer, natürlich habe ich mich entschieden: hier also meine beiden Top 5-Listen des Jahres 2013. Es gibt eine Regel: jeder Künstler taucht in beiden Listen insgesamt nur einmal auf.

SONGS

1. Miami – Over Green Hills

In Köln geht aktuell wirklich sehr viel, was neue Bands angeht. Ein bisschen auch stellvertretend für diesen ganzen Haufen (Hallo Woman, When People Had Computers, Urban Homes, Volley, Xul Zolar, Vimes, Die Sonne und wie sie sonst noch alle heißen!) steht hier also MIAMI in dieser Liste. Doch natürlich hätte ihre Kölner Herkunft allein nicht für den ersten Platz gereicht, nein nein. Over Green Hills ist einfach ein fantastischer Song, Dreampop/Softrock, nostalgisch bis zum geht nicht mehr, mit einem tollen Video. Doch seht selbst:

2. Todd Terje – Strandbar

Ich bin einfach ein großer Fan des Remaster Of The Universe aka Todd Terje (und habe sogar vier gemeinsame Facebook-Freunde mit ihm. Was das jetzt wieder heißen mag?). Von seinen drei Releases im Jahr 2013, die ich mitbekommen habe, ist Strandbar ganz weit vorne. Irgendwann lief dieser Track mit dem catchy Piano-Houseriff und dem straighten Bass wirklich mal auf einem Rave um 11:30 in der Mittagshitze. Ich bin fast umgefallen, so gut war das.

3. Dornik – Something About You

Nie was zuvor gehört von diesem Dornik, und auch Future RnB war für mich bis dato eher immer ein abstrakter Begriff. Umso schöner, dass dieser unfassbar schöne Song mich da ein bisschen rangeführt hat. Ich finde, hier wird „there is something about you“ viel wahrhaftiger und herzzerreißender gesungen als bei Kavinsky beispielsweise (no offense!). Bin unglaublich glücklich, über diesen Track gestolpert zu sein.

4. Erlend Øye – La Prima Estate

Es ist alles so einfach. Erlend Øye ist nach Sizilien gezogen. Jetzt singt er auf italienisch. Und weil er so ein guter Songschreiber ist, hat er mit Querflöte, Akustikgitarre und ganz vielen Italo-Pop-Zitaten einfach mal meinen Sommerhit geschrieben. Wie oft La Prima Estate allein in unserem Zeltcamp beim Haldern Pop lief! Auch sehr schön: das Video. La Dolce Vita! Solo per te, Lucia! Ciao Bella!

5. Unknown Mortal Orchestra – So Good At Being In Trouble

She was so good at being in trouble / so good at being in trouble / so good at being in trouble / so good at being in trouble / so good at being in trouble / so good at being in trouble / so bad at being in love

PLATTEN

1. Blood Orange – Cupid Deluxe

Sie kam spät, aber sie kam mit Wucht: meine Platte des Jahres Cupid Deluxe von Devonté Hynes aka Blood Orange. Ich bin fasziniert von diesem Sound. Alles klingt hier selbstverständlich, obschon eigentlich nah bis haarscharf an der Grenze zum Kitsch. Die schönsten Saxophonsoli seit Kaputt von Destroyer. Slap-Bass, Funkgitarren, gehauchter Gesang, broken hearts, New York, Verzweiflung, im Geiste Sade, Tina Turner, Michael Jackson – wenn vielleicht auch nur in meinem. Ein Wahnsinnsalbum.

2. Ducktails – The Flower Lane

Die Ducktails sind ja überraschenderweise immer noch „nur“ das Nebenprojekt von Real Estate-Gitarrist Matt Mondanile. Überraschend deswegen, weil dieses Nebenprojekt mal eben so ein ganz tolles Album veröffentlicht hat. The Flower Lane heißt es und es ist ein ruhiges, behutsames, verspieltes, intelligent arrangiertes und sehr melodiöses Pop-Album im besten Sinne geworden, das sich auszudenken sehr viel Zeit oder Genialität gekostet haben muss (oder sogar beides). Ich war im März mit einer zauberhaften Begleitung auf Reisen im Iran, und dabei lief The Flower Lane sehr oft. Wäre sie nicht dabei gewesen, ich hätte wahrscheinlich ausschließlich dieses Album gehört.

3. Crystal Stilts – Nature Noir

Der Mann im Plattenladen sagt: die Platte ist gut. Ich kaufe sie also mehr oder weniger blind, und höre an diesem Abend nichts anderes mehr. Ich drehe quasi nur noch um. Turn, turn, turn. Die Crystal Stilts und ihren spröden Surf-Garage-Pop fand ich schon immer super. Aber auf Nature Noir ist die Musik nochmal eine Spur morbider, tiefer, trauriger – und schöner.

4. Blouse – Imperium

Blouse haben die 80s-Synthies aus ihrer Musik weggenommen und durch 90s-Gitarren im Sinne von Dinousaur Jr etc ersetzt. Geblieben ist die erhaben über allem schwebende, mit viel Hall und Delay belegte, betörende Stimme der ihrerseits bezaubernden Charlie Hilton, die Victoria Legrande von Beach House in nichts nachsteht. Spätestens, als Fiete und ich für HEY in Brüssel waren für ein Interview (coming soon!) wurde mir klar, dass ich dieses Album lange unterschätzt hatte. Und Charlie Hilton ist in echt noch schöner als auf Fotos.

5. Coma – In Technicolor

Ganz ehrlich: Platz 5 hat es lange spannend gemacht, bis zum Schluss wurde er von verschiedenen hochkarätigen Bands mit guten Platten aus dem Jahr 2013 umkämpft. Den Ausschlag für Coma gab die Tatsache, dass ich In Technicolor in letzter Zeit wieder sehr oft gehört habe. Es ist lustigerweise das Debut-Album der beiden Freunde aus Köln, die schon lange gemeinsam elektronische Musik machen, das recht erfolgreich rund um den Globus, und sich auf Kompakt auch in einem folgerichtig technoiden Umfeld bewegen, aber die auch immer wieder einen gewissen Pop-Appeal aufblitzen lassen. Leider nicht auf dem Album, dafür hier stellvertretend: die selbstironische, und doch arschcoole Version von Kim Carnes – Bette Davis‘ Eyes!