Es wurde dunkel und das Publikum war nicht mehr als ein leise hin und her wogendes Meer aus Glühwürmchen, denn die grün leuchtenden Funktionslämpchen an den Funkkopfhörern waren das einzige, was man erkennen konnte, wenn man sich umdrehte. Was muss das für eine Aussicht von der Bühne gewesen sein! Dort standen Miami und spielten im Rahmen einer neuen Veranstaltungsreihe ein Kopfhörerkonzert am Aachener Weiher in Köln. Es war ein fantastisches Konzert, an diesem Abend, an dem es zum ersten Mal nach dem Sommer eine Stunde früher dunkel wurde, und an dem es auch noch regnete, gerade als die Band mit Over Green Hills begann, dem einzigen bekannten Song, ein mutiger Opener, aber viel falsch machen kann diese Band einfach nicht, und auch der Regen war letztendlich egal.

Denn das Konzert war fantastisch, wie gesagt. Sicherlich auch deswegen, weil durch die Funkkopfhörer ein seltsames und intensives Gefühl aus Isolation und Zusammengehörigkeit (man ist ja mit der Musik alleine, doch alle hören dasselbe, auch die Band) entstand, im Dunkeln, an so einem Katersonntag, aber vor allem: weil die Band großartig war. Der Sound: eingängiger Softrock (so nennen sie das selbst! Alternativ: Dream-Grunge oder Mumbai Wop) mit leichtem Vintage-Flair, dennoch zeitlos und irgendwie erhaben. Große Melodien, unglaubliche Arrangements, schöner Harmoniegesang, und das alles vorgetragen mit einer Lässigkeit, die fast frech genannt werden muss – wenn man nicht wüsste, dass alle Bandmitglieder alte Hasen sind im Showbiz.

Am nächsten Morgen um 7 Uhr ist die Band nach Indien aufgebrochen, wo sie jetzt gerade eine kleine Tour spielt. Was sie dazu veranlasst hat, einen Bollywood-Klassiker neu aufzunehmen:

Wenn sie wieder da sind, werden wir sie interviewen. Bis es soweit ist, hört doch nochmal Over Green Hills – leider der einzige richtige Miami-Song, den es bisher online zu hören gibt.

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