[wide]Unknown Mortal Orchestra[/wide]

Unknown Mortal Orchestra spielen in Köln. Im Luxor genauer gesagt. Leider wurde das „unknown“ im Bandnamen zu wörtlich genommen. Ungefähr 80 Leute stehen vor der Bühne. Immerhin geht das Publikum nach vorne, denke ich mir. „Die Band tut mir bei so was immer so leid“, sagt mir ein Freund. Ich nicke. Ich mag es zwar nie wenn es komplett ausverkauft ist, aber mehr Leute hätten definitiv kommen sollen.

Das Licht im Club wird langsam runter gedämmt. Es wird anscheinend losgehen. Dann wird noch die Nebelmaschine ausgiebig getestet und die drei Jungs von Unknown Mortal Orchestra kommen auf die Bühne.

Bei den ersten Tönen wird mir klar, dass der schrille, quirlige Gitarrensound auch live funktioniert. Das Schlagzeug ist dagegen viel direkter als auf Platte. Was live aber nur Vorteile hat. So bleiben auch ruhigere Stücke durch den Beat dynamisch und ich nicke weiter mit dem Kopf. Und weiter und weiter, denn Lieder, die auf dem Album 3-4 Minuten lang sind werden live mal schnell doppelt so lang. Sänger und Gitarrist Ruben Nielson spielt Solos, die man auf einem Stadion-Rock-Konzert erwartet. In den 80ern. Doch es wirkt nicht plump oder flach. Durch die vielen Effekte haben die Hard-Rock-Gitarrensolos einen lo-fi-psychedelischen Touch und das klappt. Was ich bemerkenswert finde ist, dass Ruben sich den Gitarrengurt nicht komplett umgehängt hat. Wie eine Schultertasche trägt er seine Fender Mustang. Lässig. Noch ein weiteres Detail für die Gitarren-affinen Leser; er hat kein Plektrum benutzt. Nur Finger-Picking, Zupfen oder einfaches Anschlagen mit der Hand. Bei der Musikrichtung von Unknown Mortal Orchestra hab ich das nicht erwartet.

Das Konzert selbst hat dem Fan von knackigen Pop-Songs und dem Fan von Improvisationen einiges geboten. So werden die Singles wie „Swim and sleep like a shark“, „So good at being in trouble“ und natürlich „Ffunny Friends“ gespielt. Anderseits wird mehrmals „gejammt“ und schon wieder kommen Rock-Elemente der ganz großen Sorte ins Spiel. So stimmt Ruben Nielson am Ende von „How can you love me“ ein Feedback an, welches er mit einer ordentlichen Portion Delay, Reverb und Tremolo unterlegt. Manch einer hält sich kurz die Ohren zu, denn das klingt wie eine Alarmanlage. Nur noch schneller. Dann kommt der Auftritt von Riley Geare. Der Schlagzeuger von Unknown Mortal Orchestra spielt tatsächlicherweise ein Drum-Solo. Erst grinse ich noch, dann wird es einfach nur wahnsinnig. Wahnsinnig gut. Stadion-Rock von heute? Die Band versteht es das Livespielen der 70er und 80er Jahre in ihren Sound zu packen. So wird sich am Ende des offiziellen Sets mit einem Jam und durchgetretener Bassdrum verabschiedet. Man bedankt sich bei dem Mischer, dem Club den eigenen Roadies und spielt noch einmal einen richtigen Rocksong, der an Gitarren von Black Sabbath erinnert.

Nach kurzem Durchklatschen kommt der Zugabenblock. Die Jungs von Unknown Mortal Orchestra covern jetzt einfach mal Pink Floyd. „Lucifer Sam“ spielen sie und die Leute finden es super. Das nächste Lied ist noch ein Cover und von keiner geringeren Band als Can. Das Gitarrenriff von „Vitamin C“ tönt aus den Boxen und das Publikum flippt aus, was sich auch beim Applaus widerspiegelt. Der hört nämlich nicht mehr auf und der Sänger Ruben Nielson kündigt einfach „Ffunny Friends“ an und legt los.

Nach gut 70 Minuten ist der Spaß vorbei und ich hab anfangs nicht gedacht, dass Unknown Mortal Orchestra die geringe Anzahl von Leuten so mitreißen wird. Später treffe ich die Jungs noch im Stereo Wonderland und ich frage Riley Geare ob sie wussten, dass Can aus Köln kommen und sie deswegen das Cover von „Vitamin C“ gespielt haben. Sie wussten es nicht und Riley lacht. Es wäre heute so gekommen. Der Song stand noch niemals auf der Setlist. Wenn das wirklich wahr ist, war das ein verdammt guter Zufall.

Und während Hey-Kollege Benni dem Drummer noch nachts den Dom gezeigt hat (O-Ton Riley Geare: „We have nothing in America. Nothing like this.“), erzählt mir Ruben Nielson noch, dass das Konzert in Köln das Beste bisher in Deutschland war. Das sagen viele, aber die Stimmung und die Verbindung zwischen der Band und dem Publikum war im Luxor außergewöhnlich. Und so hoffe ich, dass Unknown Mortal Orchestra nochmal nach Deutschland kommen. Nach Köln. Mit mehr Leuten, aber mit demselben Stadion-Rock-Feeling bitte.

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Riley Geare vor dem Dom